Kusama - Infinity
und
Agnes Martin - Zwei Filmdokumente

Yayoi Kusama und Agnes Martin gehören zu den wenigen weltweit anerkannten Künstlerinnen. Aber nicht allein das verbindet die 1929 in Japan geborene Kusama und die aus Kanada stammende Martin (1912-2004): ihre schwierige Kindheit, ihr künstlerisches Wirken in der männerdominierten New Yorker Avantgarde der 1960er und ihre von Halluzinationen geprägten Krankheitszustände legen den Vergleich nahe. Und doch zeigen das Portrait von Heather Lenz sowie die beiden Kurzfilme von Mary Lance zwei Künstlerinnen, die sich durch Formensprache und Persönlichkeit stark unterscheiden.

Mary Lances Film With my Back to the World über Agnes Martin war 2012 ein DOKUARTS-Publikumserfolg. Für die internationale Martin-Retrospektive hat sie aus unveröffentlichtem Material zwei Kurzfilme geschaffen, mit denen ihr ein pointiertes Portrait der weltabgewandten Künstlerin gelingt.

Eine Kusamas Werk gewidmete Schau tourt derzeit auch durch Nordamerika. Im Rückblick wirken ihre Infinity-Räume und ihre Punkt- und Netzbilder geradezu prophetisch. Die Künstlerin, die seit 1977 auf eigenen Wunsch in der Psychiatrie lebt, genießt heute einen Kultstatus, zu dem ihre von Sexismus, Rassismus und psychischer Krankheit geprägte Biographie viel Stoff liefert. Den Kult hat Lenz in ihrem sensiblen Film jedoch bewusst gemieden. 17 Jahre hat die Filmemacherin investiert, um in einer klugen Montage aus Archivmaterial und zahlreichen Interviews die faszinierende und ambivalente Geschichte zu erzählen, in deren Zentrum Kusamas visuelle Welt steht.

(ab)

Heather Lenz

Autorin, Regisseurin und Produzentin Heather Lenz machte Abschlüsse in Kunstgeschichte und bildende Kunst, sowie einen MFA in Cinematic Arts der University of Southern California. Sie ist angezogen von Geschichten über Menschen mit kreativen Köpfen, die ausgetretene Wege verlassen. Ihr erster Kurzfilm über einen Fahrraderfinder, „Back to Back“, wurde für einen Student Academy Award nominiert und wurde weltweit auf Festivals gezeigt. Lenz wurde erstmals auf Yayoi Kusama aufmerksam, als sie in den frühen 1990er Jahren Kunst studierte. Sie hatten den starken Eindruck, dass Kusamas Beiträge zur amerikanischen Kunstwelt weitgehend übersehen worden waren. Sie arbeitete über ein Jahrzehnt an der Verwirklichung des Films und konnte zu Beginn der Arbeit nicht voraussehen, dass Kusama in der Zwischenzeit zu einer der bestverkauften Künstlerinnen der Welt avancieren würde.