The End of Fear

Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue III ist der Titel eines zu einer Serie gehörenden Bildes - eine gewaltige, monochrom rote Fläche mit zwei schmalen Streifen in Blau und Gelb - des amerikanischen Künstlers Barnett Newman, der zu den Hauptvertretern des abstrakten Expressionismus zählt. 1969 erwarb das Stedelijk Museum Amsterdam das Gemälde, wo es 1986 von einem Besucher mit einem Teppichmesser zerstört wurde. Die darauf folgende dilettantische Restaurierung führte zu einem Rechtsstreit, der das Museum teuer zu stehen kam.

Für ihren Film, der den Fall wie einen doppelten Mord forensisch aufarbeitet, beauftragt Barbara Visser die junge Künstlerin Renske van Enckevort, das Gemälde zu rekonstruieren und die originale Fläche, die durch die zweifache Zerstörung unsichtbar geworden war, wieder erfahrbar zu machen. Durch die hervorragende Dramaturgie, mit der Visser Interviews, Dokumente, Film- und Audiomaterial mit der Arbeit der Künstlerin zusammenführt, wird dieser Film zum spannenden Krimi. Aus der Anordnung der zusammengetragenen Fakten entsteht der Bericht über eine Realität, die weitaus komplexer ist als die Summe der Beweisstücke. Das „Mordmotiv“ knüpft sich dabei an die Frage: Was ist die Bedeutung und der Wert dieses abstrakten Werkes?

Die Schlüsselrolle gehört Renske van Enckevort, die während ihrer monatelangen, einsamen Arbeit versucht, die Essenz des Bildes zu erfassen, die sich – man ahnt es – vielleicht finden, aber durch Worte nicht vermitteln lässt. Bei Barnett Newman klingt das so: „Aesthetics is to the artist what ornithology must be to the birds.“

(ab)

Barbara Visser

Barbara Visser (geboren 1966 in den Niederlanden) studierte Fotografie und Audiovisuelle Kunst an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam, der Cooper Union in New York und der Jan van Eyck Akademie in Maastricht und ist eine preisgekrönte Künstlerin. Sie war Interimsdirektorin der IDFA. Ihre Arbeit dreht sich um kulturelle und historische Narrative und wie diese durch Kunst, Design, Medien und Wissenschaft manifest werden. Indem sie Konventionen des Storytelling und Bildkreation herausfordert sowie unsere Erinnerungs- und Glaubenssysteme infrage stellt, zielt Visser darauf ab, eine neue Wahrnehmung dessen, was durch Normalität sichtbar gemacht wird, zu provozieren.