The Price of Everything

Wenn zeitgenössische Kunst bei Auktionen siebenstellige Beträge erzielt, drohen Kunstwerke zu Trophäen für Superreiche zu verkommen. Die Auseinandersetzung über den eigentlichen Wert von Kunst rückt angesichts dieser Exzesse in den Hintergrund.

In seiner intelligent erzählten Dokumentation The Price of Everything zeichnet Nathaniel Kahn fundiert und detailreich nach, wie sich zeitgenössische Kunst zum gehypten Anlageobjekt entwickelte. Der Film profitiert von Kahns Zugang zu zahlreichen Schlüsselfiguren einer eigentlich hermetischen Kunstwelt. Als Sohn des legendären Architekten Louis Kahn, über den er seinen oscarnominierten Erstlingsfilm My Architect gedreht hatte, standen für ihn die Türen zu hochkarätigen Sammlern, Händlern, Galeristen, Künstlern, Kuratoren, Auktionshäusern und Kunsthistorikern offen. Durch die Nähe und das Vertrauen zwischen dem Filmemacher und seinen Protagonisten erleben wir diese fast schon privat. Die Politik, der Goldrausch und das Jagdfieber, aber auch die Beliebigkeit der Bewertungen entlarven sich auf subtile Weise selbst, ohne dass es plakativer Zeichensetzungen bedürfe.

Und mit einem jungen Shooting-Star, der aus Nigeria stammenden Künstlerin Njideka Akunyili Crosby, und dem rebellischen Altmeister Larry Poon gibt Kahn zwei prägnanten Positionen Raum, die auf ihre Weise mit den Gegebenheiten des Kunstmarktes umgehen müssen.

(sh)

Nathaniel Kahn

National Kahn ist ein preisgekrönter Filmemacher. Seine Dokumentation „My Architect“ über seinen Vater, Louis I. Kahn, wurde 2003 für einen Oscar, für zwei Independent Spirit Awards und einen Emmy nominiert. Darüber hinaus erhielt Kahn 2004 den Preis der Directors Guild of America für herausragende Dokumentarfilmregie. Zu seinen Kurzfilmen gehört der Oscar- und Emmy-nominierte Film „Two Hands“ (2006) über den international gefeierten Pianisten Leon Fleisher. Kahn drehte außerdem mehrere Filme über wissenschaftliche Themen, unter anderem „Telescope“ (2015) und „Dark Side of the Sun“ (2016) für Discovery. Im Augenblick arbeitet er an einer Dokumentation über das James-Webb-Weltraumteleskop, sowie an einem neuen Drehbuch.