Lots of Kids, a Monkey and a Castle

Vielleicht kennt jeder von uns so einen Menschen: einen, in dem Leben für zehn Personen steckt, dessen Energie sich überträgt und uns wieder an den Sinn des Lebens glauben oder die Freude an dessen Unsinn lernen lässt. Meist ist es allerdings kein Mensch, sondern die Kunst, die zu solcher Wirkung fähig ist. Begegnet man ihm dann aber doch, gerät man unweigerlich in einen Strudel von Fragen: Was ist Kunst überhaupt? Was macht einen Künstler aus? Wie soll man leben?

Der 2018 mit dem Premio Goya ausgezeichnete Dokumentarfilm von Gustavo Salmerón portraitiert genau solch einen Menschen: Julita, seine Mutter. Die hat schon als Mädchen klare Wünsche: viele Kinder, einen Affen und ein Schloss. Und all das soll sie auch bekommen. Salmerón, von Haus aus Schauspieler, weiß, dass im großen Theater alle Bühnenelemente wichtig sind. So zeigt er die mitunter Beckett’sche Verzweiflung der Kinder, den ironischen, liebevollen Gleichmut des Ehemannes, all die Gegenstände, die Puppen, Zähne, Knochen, kaputten Schirme als essentielle und eigenständige Teile der Bühne, auf der diese unvergessliche Diva steht. Und wie im wirklich großen Theater gibt es hier viel mehr zu sehen als das Auge erfassen kann. Mit leichter Geste, fast wie nebenbei, wird auch noch die turbulente Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert erzählt. Aus Julitas Sicht natürlich!

Salmeróns Film leistet viel: er rührt an philosophische, gesellschaftliche Fragen, Fragen über die Kunst und über das Leben. Aber vor allen Dingen tut er eins: er zeigt, wie überaus köstlich die angebrannten Ränder eines Stücks Toast schmecken können. Oder anders gesagt: er macht glücklich!

(ab)

Gustavo Salmerón

Gustavo Salmerón (geboren in Madrid, 1970) ist Schauspieler und Regisseur. Er arbeitete als Schauspieler in mehr als 30 Filmen zusammen mit international renommierten Regisseuren wie Julio Medem, Agustín Villaronga, Manuel Gómez Pereira, J. Luis García Berlanga, Manuel Gutiérrez Aragón und Mario Camus. 2001 drehte er den Kurzfilm „Desaliñada“ (Salad Days), der mit dem Goya als bester Kurzfilm von der spanischen Academy ausgezeichnet wurde. Er gewann darüber hinaus zahlreiche Preise, unter anderem als bester Kurzfilm beim Los Angeles International Film Festival, die Gold Plague des Chicago International Film Festival und den Best Short Award (Brest) von Canal+. Zwischen 2002 und 2016 drehte Salméron den Dokumentarfilm „Lots of Kids, a Monkey and a Castle".