DOKU.ARTS
Zeughauskino Berlin
10.09.–12.10.2014

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Inventaris van het Moederland

Moralisten seien sie, die Fotografen, so Susan Sontag, oder aber Forscher und Sammler. Sergei Prokudin-Gorski, Schüler von Dmitri Mendelejew im Chemielabor und Farbdias-Pionier, gehörte eindeutig der zweiten Kategorie an. Von 1904 an war der Fotograf im russischen Zarenreich unterwegs, zwischen 1909 und 1916 erschloss er es systematisch mit der Kamera – von Nikolaus II. mit Dunkelkammer-Zug, Dampfer, Motorboot und gar einem Ford ausgestattet. Ben van Lieshouts Film begibt sich auf die Spuren der Fotografien von damals – und wird zu einem sinnlichen, ja meditativen Ereignis, getragen von den Klängen, Geräuschen und Liedern, die der Nordwesten Russlands in aller postindustriellen Natürlichkeit aufzuweisen hat. Dabei überzeugt die intermediale Spannung zwischen den mit Dreifarb-Technik hergestellten Fotos einerseits und dem Kino-Flanieren im klassischen Dokumentarfilmformat andererseits. Unaufgeregt still und experimentell sind diese „Ansichten“, eine Einladung zum Verweilen, Hinsehen, Nachdenken.

Ben van Lieshout

Ben van Lieshout, 1951 in den Niederlanden geboren, ist ein mit zahlreichen Preisen ausgezeichneter Regisseur, Produzent und Drehbuchautor. Er hat Kurzfilme, Experimentalfilme, Spielfilme und mehrere Dokumentarfilme gedreht, darunter Die Zone (1999), Winkelhart (2001), Reis naar het Paradijs (2002) sowie Petersburg Places and Paintings (2004), ein visueller Dokumentarfilm über die Arbeit der russisch-niederländischen Malerin Tatyana Yassievich. Van Lieshout war Jurymitglied mehrerer internationaler Filmfestivals und lehrt an der Kunsthochschule Utrecht.