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Zeughauskino Berlin
10.09.–12.10.2014

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Precise Poetry – Lina Bò Bardi's Architecture

Lina Bò Bardi (1914–1992) ist eine der wenigen Architektinnen, denen es gelang, die Moderne entscheidend mitzugestalten. Vor allem ihre Wahlheimat São Paulo und die Küstenstadt Salvador da Bahía bereicherte sie mit einigen ausdrucksstarken Architekturikonen wie dem Kunstmuseum von São Paulo, kurz MASP (1957–1968), dem Sport- und Kulturzentrum SESC Pompéia (1977–1986) oder dem Wohnhaus Casa de Vidro (1951). Als Ausgangspunkt ihrer Arbeit in Architektur, im Bühnenbild, im Möbeldesign oder in der Grafik dienten Einflüsse aus der internationalen Moderne, aber vor allem auch die intensive Auseinandersetzung mit der Kultur, den handwerklichen Traditionen und der gesellschaftlichen Situation vor Ort.

Dass Bò Bardi überhaupt jemals bauen würde, war vorerst nicht zu erwarten. Ihre Laufbahn begann zunächst in Mailand bei Gio Ponti, dem berühmten Architekten und Herausgeber der Architektur- und Designzeitschrift Domus. Wie viele Architektinnen dieser Zeit realisierte sie keine Bauwerke, sondern war vor allem journalistisch tätig. 1946 übersiedelte sie schließlich mit ihrem Mann, dem Galeristen, Kunstkritiker, Journalisten Pietro Maria Bardi, nach São Paulo, wo beide für ihre Arbeit bessere gestalterische Möglichkeiten sahen: "1946 realisierten wir, dass unser Traum eines modernen und freien Italien bereits vorbei war".

Anlässlich des 100. Geburtstages von Bò Bardi begibt sich die Regisseurin Belinda Rukschcio auf die Reise nach Brasilien. Mit großer Behutsamkeit stellt sie die zentralen Bauwerke Bò Bardis in São Paulo und Salvador da Bahía vor und führt uns neben der städtischen Einbindung der Gebäude auch die architektonischen Details vor Augen. Ergänzt werden die Architekturaufnahmen mit Erklärungen und Kommentaren von ehemaligen Mitarbeitern, Freunden und Wegbegleitern. Entstanden ist ein wunderbar ruhiger Film, der die Poesie der Architektur Bò Bardis erstmals einzufangen vermag.

Belinda Rukschcio

Belinda Rukschcio absolvierte eine Ausbildung in Modedesign in Wien und studierte Architektur an der Technischen Universität Wien. Ergänzend zu ihren Tätigkeiten als Architektin arbeitete sie als Projektleiterin im Bereich der Architekturvermittlung. Ihr Schwerpunkt liegt auf gesellschaftskritischen Themen und deren Interpretation und Darstellung in der Architektur und im Design. Seit 2009 ist Belinda Rukschcio als wissenschaftliche Mitarbeiterin u.a. an der TU Wien, der Bauhaus-Universität Weimar und aktuell an der BTU Cottbus tätig. 2013 entstand ihr erster langer Dokumentarfilm Precise Poetry – Lina Bò Bardi's Architecture. Sie lebt und arbeitet in Berlin.