DOKU.ARTS
Zeughauskino Berlin
10.09.–12.10.2014

CALL FOR ENTRIES
now open!

Tarr Béla: I Used to Be a Filmmaker

Der gefeierte ungarische Regisseur Béla Tarr hat kürzlich verkündet, dass er seine Karriere als Filmemacher beenden will, um eine Filmakademie auf dem Balkan zu leiten. Die vielen Fans seiner einzigartigen existentialistischen Sinnsuche werden ohne Zweifel darüber enttäuscht sein, dass sein Werk mit Filmen wie Satanstango (1994) oder Die Werckmeisterschen Harmonien (2000) als abgeschlossen angesehen werden muss. Wir können uns derzeit aber noch glücklich schätzen, den Regisseur in einem neuen Dokumentarfilm erleben zu dürfen, in dem seine Arbeitsmethoden behutsam untersucht werden und in dem Tarr am Set seines letzten Films Das Turiner Pferd (2011) seine philosophischen Ansichten offenbart.
Tarr ist bekannt für die kunstvolle Komplexität seiner Kamerafahrten. Jean-Marc Lamoures Dokumentarfilm zeigt exemplarisch, wie diese aufwendigen Sequenzen realisiert werden und was hinter den Kulissen unternommen wird, um diesen Szenen „Authentizität“ zu verleihen. Schwierige Kran-Manöver, tragbare Windmaschinen oder ausgeklügelte Lichtriggs sind nur einige Beispiele der faszinierenden Technik hinter der filmischen Illusion. Den größten Gewinn wird der Zuschauer aber wahrscheinlich darin sehen, Tarr selbst zuzuhören, während er seiner Beschäftigung nachgeht, begleitet von seiner Co-Autorin und langjährigen Lebensgefährtin Ágnes Hranitzky. Dabei wird deutlich, dass ihm seine Crew große Loyalität entgegenbringt und er selbst sich nicht davor scheut, den Patriarchen zu spielen. „[Das Filmemachen] kommt einem Feudalsystem gleich, weil es einen geben muss, der entscheidet, wo die Kamera aufgestellt wird. Demokratie hat keinen Platz in der Welt der Kunst. In der Kunst gibt es keine Demokratie, ganz so wie im wahren Leben“, so Tarr mit einem Lächeln auf den Lippen.

Jean-Marc Lamoure

Der französische Regisseur Jean-Marc Lamoure thematisiert in seinen Filmen visuelle Anthropologie. Etwa zeitgleich zu den Arbeiten an seinem ersten Dokumentarfilm Chaalo, les voix du deuil (2004) realisierte er Farenji und wirkte an Filmprojekten verschiedener Regisseure mit. 2010 gründete er zusammen mit Pilar Arcila die Produktionsfirma Ab Joy Productions in Marseille. Zudem arbeitet er als Set-Designer für verschiedene Musik-, Tanz- und Theaterproduktionen und bietet Workshops für Filmemacher an.